Český Krumlov
die südböhmische Mekka der Alchimie


Die 2.Hälfte des 16.Jhs wird als goldene Zeit der Alchimie bezeichnet. Auf dem Rosenbergerhof (Krumlov) entstand im Grunde ein zweites Zentrum hermetischer und alchimistischer Bemühungen.
Bekannte und weniger bekannte begeisterte Forscher, aber auch mit allen Salben geschmierte Betrüger versuchen sich in astrologischen Analysen, Voraussagen, Heilkunde,in Goldherstellung, suchen nach dem Lebenselixier, nach dem Stein der Weisen.
So auch Bavor Radovský z Hustiřan, ein niederer Adel eines alten böhmischen Geschlechts. Über seinen Großvater erzählte man, er wäre ein Zauberer gewesen der Gold erzeugen konnte.
Jedoch war die kinderreiche Familie nicht sehr vermögend und Bavor musste sich statt an der Universität zu studieren zu Hause als Autodidakt weiterbilden.  
                              
Er war so begabt, dass er mit seinen Kenntnissen sogar manchen studierten Zeitgenossen übertraf. Er erwarb seine Ausbildung außerhalb der Hochschulen, aber es hinderte ihn nichts an dem Schwung seines Geistes. Er überragte oft seine Zeitgenossen an Deutsch-, Latein- und Griechischkenntnissen, widmete sich der Alchimie, Astronomie, Mathematik, es interessierte ihn jedoch aber auch die Geschichte der Philosophie.
Aus der Erbschaft nach dem Tod seiner Eltern, sowie auch aus dem Heiratsgut seiner Gattin kaufte er einen Gut, wo er eine alchimistische Werkstatt errichtete. Wegen seinen kostspieligen Versuchen kam er ins Gefängnis für Schuldner im Prager Schwarzen Turm. Von dort versucht er Herrn Wilhelm von Rosenberg für die Ansichten des Rennaisance-Naturwissenschaftlers Theophrast Paracelsus zu begeistern, der der Alchimie eine neue Richtung wieß und Chemikalien zur Erzeugung von Medikamenten nutzte.
Wilhelm, der Bavor tatsächlich aus dem Gefängnis auslöste, widmete er im Jahre 1574 die Übersetzung der Schrift "Secreta Aristoteli". Er kann trotzdem nicht alle seine Schulden zurückzahlen, muss seinen Gut verkaufen, arbeitet in Labors für Herrn Rosenberg wie auch für den Kaiser Rudolf II. von Habsburg und stirbt im Alter von 75 Jahren.
Fachschriften von Rodovský gehören zu den besten Werken der tschechischen Alchimie zum Ende des 16.Jhs. Er war aber nicht nur Übersetzer der Belletristik, Astronom und praktischer Chemiker, er beschäftigte sich auch mit dem Verfassen von Kochrezepten, die er sehr ernst nahm. Er hinterließ ein bedeutendes literarisches Werk, das die damalige Speißekarte und Appetit seiner Zeitgenossen in das rechte Licht stellt.

home >>